V22-03 im Modell


Die V22-03 "Stoppelhopser" von Uwe Stehr

Die V22-03

Die V22-03

Die Farbwerke Hoechst AG beschaffte für ihre ausgedehnte 750mm Werkbahn im Jahr 1951 bei der Maschinenfabrik Jung eine zweiachsige Diesellokomotive und noch drei weitere gleicher Bauart im Jahre 1953. Bis 1958 wurden sie als Werkslok betrieben und und danach verkauft. Ein aus 1953 stammendes Exemplar gelangte zur Krb.O.K. ging die Lok zurück nach Henschel wo sie generalüberholt und auf die Normalien der Krb.O.K. angepasst wurde. Hier wurde auch die Normalspur Zug- und Stoßvorrichtungen angebaut. 1962 wurde die Lok bei der Krb.O.K. als V11 in Dienst gestellt und als Rangierlok in Osterrode verwendet. Nach der Einstellung der Krb.O.K. gelangte die Lok 1967 zur SWEG Ettlingen und 1970 zur Jagsttalbahn. Dort wurde die Normalspur Zug- und Stoßvorrichtungen um 160mm höher gesetzt und die Mittelpufferkupplung der Dampflok 152 angebaut. Seit 1970 war sie aufgrund ihrer geringen Höchstgeschwindigkeit von 20km/h nur selten eingesetzt. Sie ist bis 1986 betriebsfähig bei der Jagsttalbahn vorhanden. Das Model Von Uwe Stehr stellt den Zustand um 1970, also kurz nach ihrer Indienststellung bei der Jagsttalbahn dar.

Die Umsetzung ins Modell erfolgte durch die Firma Schmalspurbedarf Frank Tümmeler, die sie als Komplettbausatz anbietet.

Der Bausatz

Der Bausatz

Der aus ca. 60 Teilen bestehende Bausatz lässt den Bau beider Varianten, Krb.O.K. und SWEG, des Originals zu. Der Bausatz ist werksseitig mit einem komplett fahrfertigen Fahrwerk mit Außenkurbeln und Kuppelstange montiert.

Bausatzinhalt

Man kann also als erstes mit einer Probefahrt beginnen. Alle Bauteile sind in Klarsichtbeuteln übersichtlich verpackt so das sich die Vollständigkeit aller Teile anhand der Stücklisten schnell überprüfen lässt.Angetrieben wird das Modell von einem Faulhabermotor mit Schwungmasse, was in Verbindung mit dem überwiegend aus Weißmetall gefertigten Gehäuse ein zugkräftiges Modell mit guten Laufeigenschaften verspricht. Dem Bausatz liegt eine zweiseitige Bauanleitung bei, die den Zusammenbau in Wort und Bild zweifelsfrei erläutert. Ein Bogen mit Nassschiebebildern vervollständigt den Bausatz.

Gehäuse und Außenrahmen

Der Zusammenbau von Gehäuse und Rahmen, der bei diesem Modell ein funktionsloser Außenrahmen ist, macht am meisten Spaß.

Einzelteile des Rahmens

Das leichte Anpassen der Angusstellen an den ansonsten hervorragend passenden Teilen ist die einzige Vorbereitung neben dem Entgraten der Teile.

Einzelteile des Gehäuses

Für das Verkleben der Weißmetallteile habe ich einen dünnflüssigen Sekundenkleber und Stabilit-Express verwendet.

Die Baugruppen

Je nach dem ob ein Spalt zwischen den Bauteilen zu füllen ist oder nicht. Beim Stabilit ist darauf zu achten das der Spalt zwischen den Bauteilen zwar verschlossen ist, aber kein Klebstoff daraus hervorquillt. Dieser lässt sich in noch pastösem Zustand besser in Form streichen als hinterher zu schleifen. Beim Schleifen sind Details in der Nähe des Klebstoffes leicht mit abgeschliffen. Ich dem Bausatz einige Zurüstteile von Weinert spendiert.

Einzelteile Pufferbohlen

Es handelt sich hierbei um Federpuffer, die für einen einwandfreien Betrieb unerläßlich sind, und Kupplungshaken für die aufgebockten Regelspurwagen.

montierte Pufferbohlen

Für die Zurüstteile habe ich ebenfalls dünnflüssigen Sekundenkleber verwendet. Eine Rosenkranzzange (sehr feine Rundzange) von fohrmann leistet bei den Biegearbeiten der Drähte unschätzbare Dienste. Die Griffstangen sind allesamt angesetzt und müssen nachträglich lediglich schwarz lackiert werden. Die Glaseinsätze und die darauf aufgesetzten Scheibenwischer, die aus einzelnen Ätzteilen bestehen, habe ich die mit Klarlack geklebt.

montierte, unlackierte V22-03

Dadurch wird der weiße Niederschlag des Sekundenklebers vermieden. Als Vorlage für alle Zurüstteile diente neben der Bauanleitung eine Aufnahme aus dem Buch “Die Fahrzeuge der Jagsttalbahn”.

Lackierung

Es sind nach dem Zusammenbau alle Teile vor dem Lackieren zu reinigen.

grundierte Baugruppen

Da alle drei Baugruppen, Rahmen, Gehäuse und Dach aus Metall bestehen habe ich vor dem eigentlichen Farbauftrag erst einmal eine Grundierung aufgetragen.

grundierte V22-03

Nach der Grundierung habe ich die drei Baugruppen provisorisch zusammengesetzt. Jetzt kann man verbliebene Spalte und Lücken besser erkennen. In meinem Fall war keine Nacharbeit nötig.

lackierte und montierte Baugruppen

Hierbei wurde alles mit der Spritzpistole lackiert, das Dach silber (Revell 90), das Gehäuse rot (eine Mischung aus ca. 65%Revell 36 und 35%Revell 37) und das Fahrwerk schwarz (Revell matt 8). Die Kleinteile habe ich mit einem feinen Pinsel von Hand bemalt.

lackierte und montierte V22-03

Beschriftung

Die Beschriftung des Bausatzes erfolgt mit Nassschiebebildern und lässt hierbei die Variante bei der Krb.O.K oder bei der SWEG zu. Diese Nassschiebebilder verfügen über einen sehr dünnen und matten Trägerfilm. Für das Anbringen der Schiebebilder verwende ich einen speziellen Weichmacher "Decal Work" von Molak, den es aber auch von anderen Herstellern gibt, eine spitze Pinzette, saugendes fusselfreies Papier, eine Nagelschere und ein flaches Schälchen mit Wasser.

Beschriftungs Utensilien

Die Beschriftungen werden als erstes mit der Nagelschere so knapp es eben geht ausgeschnitten, dies ist nötig da sich um die eigentlichen Beschriftungen meist noch ein Rand des durchsichtigen Trägerfilms befindet für den an dem Modell kein Platz ist. Nach dem Zuschneiden sollten die Beschriftungen an den entsprechenden Platz gehalten werden um zu sehen ob sie zum Beispiel über eine Fahrzeugkante ragen oder gegen Absätze (Profile, Griffe..) stoßen. Passt alles wird die Beschriftung in das Wasserschälchen getaucht und dann auf dem Basteltisch zum Durchweichen abgelegt.

Die V22-03

In der Zwischenzeit pinsele ich die Stelle an der das Schiebebild platziert werden soll mit dem Weichmacher ein. Lässt sich das Schiebebild vom Trägerpapier lösen wird es mit der spitzen Pinzette gegriffen und auf die mit Weichmacher befeuchtete Stelle am Modell platziert. Nun lässt sich das Schiebebild in Position rücken und mit dem fusselfreien Papier vorsichtig angedrückt. Hierbei wird überschüssiger Weichmacher abgesaugt und das Schiebebild verbleibt in seiner Position. Durch den Weichmacher entstehen auch keine Blasen unter dem Schiebebild wenn dieses über eine Niete oder Fuge der Lok gelegt werden muss.

Die V22-03

Anschließend werden alle Teile mit einer Schicht Mattlack (Revell matt 2) überzogen. Um sicher zu stellen das bei dem Überzug mit Mattlack die Lackierung, oder schlimmer noch die Beschriftung in Mitleidenschaft gezogen wird, ist es wichtig zur Verdünnung des Mattlackes keine aggressive Verdünnung zu verwenden. Gute Erfahrungen habe ich mit der Verdünnung von Revell gemacht.

Alterung

Nachdem die Lok komplett zusammengesetzt ist kann mit der abschließenden Alterung begonnen werden. Ich habe nur ein wenig Gebrauchsspuren aufgebracht, da beim Vorbild die V22-03 in einer Halle untergestellt war, gut gepflegt wurde und nur selten zum Einsatz gelangte. Durch die leichte Patina gewinnen die Details der Lok an Tiefe und treten deutlicher hervor. Ich verwende wie immer wasserlösliche Plaka- oder Binderfarbe in den Farbtönen schwarz, rostrot, hellbraun und weiß. Als erstes wird mit einem mittelgroßen Pinsel wenig stark verdünnte mittelgraue Farbe auf das zusammengesetzte Modell aufgebracht und über das ganze Modell verteilt. Hierbei sollte die Farbe nur in den Ritzen und Vertiefungen stehen, ohne dabei abzulaufen. Besonders die Lüftungsschlitze im Motorvorbau habe ich durch stark verdünnte schwarze Farbe hervorgehoben. Als nächstes wird eine Schmutzschicht aus nicht so stark verdünnter Farbe aufgetragen. Die Farbe sollte flächig das ganze Modell ganz leicht bedecken. Als Farbton kommt ein schlieriges Gemisch aus hellbraun und wenig grau zur Anwendung. Mit einem weichen Pinsel habe ich jetzt auf einem Blatt Papier weiße Farbe solange ausgestrichen, bis der Pinsel kaum noch Farbe abgibt. Mit diesem Pinsel ganz leicht über das ganze Modell gepinselt, so das die erhabenen Stellen ganz wenig heller werden.

Das Getriebe

Der Getriebeblock besteht im wesentlichen aus einem Messing U-Profil. Das Fahrwerk sollte vor dem Einbau unbedingt vorher Probe gefahren werden. Sind die Gegenkurbeln auch nur etwas verdreht kann dies ein leichtes Ruckeln zur Folge haben, da die Achsen lediglich über die Kuppelstange angetrieben werden. Auch die Achslager sind fertigungstechnisch sehr schmal was das Schlingern noch begünstigt. An der Übersetzung ist nichts zu bemängeln, mit dem eingebauten Motor (Faulhaber 1016 GK200) und der Schwungmasse ist das Modell nicht zu schnell.

Das Fahrwerk der V22-03

Mir war jedoch der leicht taumelnde Lauf und die schlechte Stromaufnahme Anlass mich um ein neues Fahrwerk zu bemühen. Dies war zu meiner Überraschung recht einfach da bei der Fachwerkstatt Holger Gräler bereits einige „verunglückte“ Exemplare ein neues Fahrwerk erhalten hatten. Kurzerhand wurde das ursprüngliche Fahrwerk eingeschickt und ein Fahrwerk mit Dreipunktlagerung, Neusilberräder mit RP25 Radsätzen und gewuchteter Schwungmasse geordert. Der Umbau ist auch nachträglich noch möglich.

Fahrerprobung

Das Fahrwerk des Bausatzes habe ich zuerst in die Lokomotive eingebaut und damit einige Testfahrten unternommen. Die Geschwindigkeit der Lokomotive habe ich nicht gemessen, aber der rein optische Eindruck ist meines Erachtens für eine Vorbildgeschwindigkeit von 20 Km/h mehr als ausreichend und gewiss nicht allzu schnell. Das Fahrgeräusch ist leise, aber doch zu hören. Dies ist bei Schneckengetrieben nie ganz zu beseitigen. Die verwendete Schwungmasse verleiht dem Modell einen Auslauf von ca. 5cm aus etwa vorbildlicher Höchstgeschwindigkeit. Die Zugkraft der je 120 Gramm schweren Lokomotive dürfte für einen Zug mit 3~4 aufgebockten Wagen ausreichen, viel mehr hat die Lok die nur im Bedarf eingesetzt wurde auch bei der SWEG kaum bewegt. Mit einigen Roco N- Gleisstücken habe ich einige Versuche unternommen um herauszufinden welchen Radius das Modell sicher befahren kann. Hierbei zeigte sich das auch ein Roco R1 noch sicher befahren werden kann, was man von einer zweiachsigen Lokomotive wohl auch erwarten kann. Einzig der leicht taumelnde Lauf, bedingt durch zuviel Spiel in den Achslagern und die damit nicht optimale Stromabnahme der Räder hat mich gestört.

Das Fahrwerk von Holger Gräler

Abhilfe versprach ein Fahrwerk aus der Feinmechanischen Werkstatt von Holger Gräler, das ich anlässlich der Herbsttagung des FREMO im Herbst 2002 in Hammelburg das erstemal sah. Ein Gespräch mit Holger veranlasste mich ein solches Fahrwerk zu bestellen.

links: GK Fahrwerk, rechts: Gräler Fahrwerk

Im Bild links das GK Fahrwerk, rechts das neue Gräler Fahrwerk. Hierfür wurden vom ursprünglichen Fahrwerk lediglich der Faulhaber mit Schwungmasse, die Außenkurbeln und die Kuppelstangen weiterverwendet. Alles andere wurde neu angefertigt, darunter auch neue Räder aus Neusilber die schmaler sind und über feinere Spurkränze verfügen. Einige Wochen später bekam ich die Lokomotive komplett montiert wieder zurück. Welch ein Unterschied! Die Maschine läuft seidenweich an, Holger hatte die bereits aufgezogene Schwungmasse dynamisch ausgewuchtet, und verliert Dank der Dreipunktlagerung nie den Kontakt zur Schiene. Damit verfügt die Lokomotive über genau die Laufeigenschaften die sie für ihre Aufgabe an der Rollbockgrube benötigt, alle Bewegungen langsam und völlig ruckfrei auszuführen. Eine Investition die sich wirklich auszahlt.

Die Dreipunktagerung

An der Unterseite kann man die schwenkbare zweite Achse erkennen. Aus diese Weise stehen immer alle 4 Räder auf dem Gleis und sorgen so für eine optimale Stromabnahme.

Dekodereinbau

Zum Einbau eines Dekoders muß natürlich der Motor von der Fahrzeugmasse getrennt werden, auch die Radschleifer müssen von dem metallenen Fahrwerk und Gehäuse isoliert werden.

Die Isolation von Motor und Radschleifer

Auch der Dekoder darf an keiner Stelle irgend ein Metallteil berühren, was bei einem derart kleinen Modell nicht immer ganz einfach ist. Als Dekoder fand der DCX74 von Tran Verwendung.

Der Dekoder

Als Halterung für den Dekoder dient ein Halteblech aus 0,3mm Neusilber das unten abgewinkelt und auf das Fahrwerk geklebt. Mit doppelseitigem Klebeband wird der Dekoder fixiert Auf diese Art läßt sich der Dekoder sehr nahe an der Schwungmasse montieren.

Das Halteblech für den Dekoder

Die Kabel lassen sich gut unter dem Gehäuse verstecken, ein wenig schwarze Farbe werde ich noch spendieren.

Bilder vom Einsatz der V22-03

Zum Schluß noch ein Bild der V22-03 auf unseren Modularrangements.

V22-03 auf Strecke

V22-03 auf der Strecke, beim Vorbild war sie hier jedoch aufgrund der geringen Geschwindigkeit selten anzutreffen.

V22-03 auf Strecke

Auch die Zugkraft derf V22-03 reichte für lange Züge nicht aus, zumal wenn die Wagen beladen waren.

V22-03 auf Strecke

Im Rübenverkehr gelange Sie daher nie zum Einsatz und war im Rangierdienst in Möckmühl eingesetzt.

V22-03 auf Strecke

Aufgrund der hervorragenden Laufeigenschaften setzten wie sie allerdings häufiger ein.

V22-03 auf Strecke

Mit 3 aufgebockten Wagen ist die V22-03 dann auch schon mehr als gut ausgelastet.

V22-03 auf Strecke

Ein Leerwagen als Übergabefahrt.

V22-03 auf Strecke

So macht die V22-03 eine gute Figur.

V22-03 auf Strecke

Zug in der Landschaft....

V22-03 auf Strecke

V22-03 im "Dschungel", stellenweise war die Strecke der Jagsttalbahn dicht von Bäumen eingerahmt.