Die Ausstellung 2007 in Dörzbach


Dörzbach 2007

Das H0e Arrangement im Lokschuppen von Dörzbach

„Des isch ja verrückt, was de Buben da treibe“ - Die Modelljagsttalbahn beim Bahnhofsfest in Dörzbach, 8.-9. September 2007

von Franziskus Müller

Vorgeschichte

Drehen wir die Zeit zunächst um drei Jahre zurück: im April 2004 fuhren einige Fremoikaner ins Jagsttal, um vor Ort durch messen und fotografieren wichtige Informationen für den Nachbau im Modell zu bekommen. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit den Jagsttalbahnfreunden tauchte die Idee auf, zu wetten, was zuerst fahren würde, das Modell oder die Originaljagsttalbahn. Um es vorwegzunehmen, diese Wette hätten wir haushoch gewonnen, die Schwierigkeiten, eine vor 20 Jahren stillgelegte Bahn zu restaurieren und wieder in Betrieb zu nehmen, sind doch ungleich höher als die beim Modulbau. Für uns kein Anlaß zur Genugtuung, hoffen wir doch, das auch unser Vorbild den Betrieb wieder aufnimmt und die charakteristischen Fahrzeuge der Jagsttalbahn wieder auf der Strecke erlebt werden können.

Jedenfalls wurde in diesem Gespräch auch die Möglichkeit angesprochen, unsere Modelljagsttalbahn bei einem Fest im Jagsttal zu präsentieren. Den Anlaß hierzu bot nun das diesjährige Bahnhofsfest. Die Präsentation unserer Modelljagsttalbahn bei diesem Fest war somit zum einen ein kleines Fremotreffen, zum anderen aber auch eine Publikumsausstellung.

  Blick von außen in den Lokschuppen

Aufbau am Orginalschauplatz

Die Jagsttalbahner hatten rechtzeitig vor dem Bahnhofsfest wieder Gleise vor dem Lokschuppen verlegt, so das die normalerweise hier abgestellten Fahrzeuge im Freien präsentiert werden konnten. So bauten wir am 7. September unsere Module im Lokschuppen der Jagsttalbahn auf. Die Jagsttalbahner hatten vorher schon an den Stellen, wo unsere Modellbahnhöfe platziert wurden, zusätzliche Lampen aufgehängt, so das die Beleuchtung passte. Einzig der Aufbau der Module auf der Abdeckung der Untersuchungsgrube war etwas anspruchsvoller, hier mußte dann auch während des Betriebs eine gewisse „Erdbebengefahr“ beachtet werden. Aufgebaut wurde in Form eines U entlang der Hallenwände. So konnte die Bedienung von außen erfolgen, während die Besucher vom Halleninneren aus zuschauen konnten.

  Die Info-Wand

In der Mitte der Halle hatten wir durch Umstellung der Hebeböcke einen schönen freien Platz geschaffen. Hier stellte Klaus Holler eine profimäßige Stellwand auf, wie man sie sonst nur von Messen kennt. Auf dieser wurde dann der Streckenverlauf in Luftbildern angebracht und die bisher realisierten Modellbahnhöfe in Bild, Zeichnung und Text vorgestellt, sicherlich eine gute Orientierungshilfe, vor allem für jüngere Besucher.

  Blick über Dörzbach im Modell nach draußen zum Original

Es war schon etwas besonderes, das Modell in seiner Originalumgebung aufzubauen und zwischen Werkzeugen und Ersatzteilregalen Betrieb zu machen. So stand das Modell des Lokschuppens im Originallokschuppen, die Frage eines Besuchers, ob die V22.02 richtig herum auf dem Modell steht, konnte durch einen kurzen Blick durch die Tür geklärt werden. Eine weitere Besonderheit war, das zum ersten Mal alle Modell-Jagsttal-Bahnhöfe zusammen aufgebaut waren, bisher hatte immer der eine oder andere Bahnhof gefehlt, da der jeweilige Besitzer unabkömmlich war.

  Anstelle Möckmühl diente uns Lanken, hier der Regelspurteil

Der Freitagabend gehörte aber zunächst den Beteiligten, und zwar denen von der Original-Jagsttalbahn. Roland Feraric hatte alle eingeladen, die als Betriebsangehörige, Fotografen etc. mit der Jagsttalbahn zu tun hatten und uns mit Bildern, Zeichnungen, Kontakten unterstützt haben. Wenn auch einige aus verschiedenen Gründen verhindert waren, war das Hallo der Teilnehmer, die sich teilweise auch schon längere Zeit nicht gesehen hatten, umso größer. Mit Dias, Filmen und Geschichten aus der Zeit des Betriebs wurde es ein spannender und für uns auch sehr informativer Abend. Natürlich wurde die Modellstrecke „abgefahren“ und die Bahnhöfe genau in Augenschein genommen. Hermann Braun, der letzte Betriebsleiter der Bahn, kommentierte das Gesehene schließlich schmunzelnd mit den Worten: „des isch ja verrückt, was de Bube da treibe“.

  Bahnhof Lanken in der Übersicht

Bei den Regelspurgüterwagen dominierten Omm-Wagen und Behältertragwagen mit Efkr-Silobehältern. So wurde der Güterverkehr des Vorbilds, hauptsächlich Zuckerrüben, Getreide und Dünger, stimmig nachempfunden. Hinzu kamen noch einige Kesselwagen und G-Wagen. Gezogen wurden die Güterzüge natürlich vom „Jagsttalkrokodil“ V 22.01+V 22.02. Der Personenverkehr wurde stimmig mit VT-303, den VB und Wagen 402 nachempfunden. Wie beim Vorbild, wurde der VT 300 auch als Schlepptriebwagen eingesetzt.

  Lokschuppen in Lanken

Arrangement und Betrieb

Wie geplant, wurde am Samstag zunächst Fremo-Betrieb mit Fahrplan, Wagenkarten, Frachzettel und Uhr gemacht. Am Sonntag kamen dann etwas mehr Besucher, daher wurden einige Sonderfahrten mit den Loks „Bielefeld“ oder „Frank S.“ und Museumsgarnitur eingeschoben und der Fahrplanbetrieb etwas aufgeweicht.

  Umladegleis in Lanken

Die Besucher kamen natürlich zum überwiegenden Teil aus der unmittelbaren Umgebung, waren also ortskundig und sind teilweise noch selbst mit der Bahn gefahren. Bei diesen Besuchern war die Resonanz sehr positiv. Ein Nachbar des Bahnhofs outete sich gar als Modellbauer und brachte ein eigenes Modell der Dörzbacher Wagenhalle sowie eigene Fahrzeuge vorbei.

  V22-03 mit M-D 402 beim rangieren in Lanken

Die Modellbahn-Laien waren erstaunt über die Modelle nach Jagsttalvorbildern, dass diese zumindest zeitweise als Modelle erhältlich waren, ist doch eher wenig bekannt. Natürlich, oder soll man besser sagen, traurigerweise, fehlte aber auch die Frage nicht, ob es sich bei der Modellbahn um Märklin handelte...

  Ausfahrt in Lanken in Richtung Dörzbach, nächster Halt Widdern

Ausfahrt von V22-01 und V22-02 mit Güterzug in Lanken in Richtung Dörzbach, nächster Halt Widdern.

Rollbockverkehr

Die Grube in Lanken wurde hier zum ersten Mal als Rollbockgrube eingesetz, bisher wurde sie als Rollwagengrube eingesetzt. Anders als beim „Bemo-'Prinzip“ gibt es hier keinen definierten Übergabepunkt, an dem die Achse in die Gabel abgesenkt wird, auch werden die Gabeln nicht von den Achsen der Regelspurwagen in Position geschoben oder die Rollböcke mittels Winde o.ä. bewegt. Stattdessen wird das Regelspurgleis über ein Handrad angehoben bzw. abgesenkt, auch die Rollböcke müssen per Hand verschoben und ausgerichtet werden. Die Bedienung stellte sich als etwas knifflig heraus: bei Aufbocken mehrerer Wagen ist genaues Ausrichten der Rollböcke notwendig, damit die Achse in die Gabel gesenkt wird und nicht daneben landet. Verdrehte Gabeln sorgen ebenfalls dafür, dass der ganze Vorgang wiederholt werden muß. Die Uhr läuft aber gnadenlos weiter! Als rettende Idee erwies sich, den Vorgang in zwei Schritten durchzuführen: zunächst das Gleis soweit absenken, dass die Normalspurachsen gerade noch über die kürzeren Gabelzinken passen, dann die Wagen soweit vorschieben, dass alle Achsen genau vor den höheren Zinken stehen, dann das Gleis vollständig absenken. Um den Rollbockverkehr zu optimieren, werden wir noch weitere Maßnahmen ausprobieren. So ist es dringend erforderlich, die Leichtlaufeigenschaften von Rollböcken und Pufferwagen zu verbessern, um vorbildgemäße Züge fahren zu können. Außerdem werden wir testen, ob durch Festlegung der Gabeln das Aufbocken erleichtert werden kann.

  aufgebockte Behältertragwagen mit Efkr-Silobehältern

Widdern

Da von Ruchsen noch kein Modul gebaut wurde ist der nächste Bahnhof auf der Strecke Widdern.

  In Widdern wurden die Wagen mit dem Radlader beladen

Auf den Modulen in Widdern hat sich im letzten Jahr nichts getan. Sein Erbauer befindet sich im Ausland und konnte den Bahnhof verständlicherweise nicht mitnehmen. So kümmerte sich diesmal Andreas darum. Mit seinem ferngesteuerten Radlader hat er auf der Ladestraße reichlich Platz zum Be- und Entladen gefunden. Später wird er mal in dem in Bau befindlichen Steinbruch bei Berlichingen zu Einsatz kommen.

  Zwischen Widdern und Olnhausen

V22-01 und V22-02 mit langem Güterzug zwischen Widdern und Olnhausen.

Olnhausen

Nach Widdern folgt Olnhausen, auch im Modell.

  Einfahrt in Olnhausen

VT 300 mit M-D 159, einem aufgebockten O-Wagen und M-D 160 am Schluß. Der Zug steht in Richtung Möckmühl.

  Viehrampe in Olnhausen

An der Ladestraße werden Rüben in O-Wagen verladen und manchmal auch noch ein paar Stück Vieh.

  Zwischen Olnhausen und Jagsthausen

Jagsthausen

Nach Olnhausen folgt Jagsthausen, bis hier ist die Strecke schon komplett.

  Einfahrt in Jagsthausen

Jagsthausen von Martin ist bis auf ein paar wenige Details fertig durchgestaltet, obwohl er vergleichsweise spät mit dem Bau begonnen hat.

  Ladegleis in Jagsthausen

An der Ladestraße ist die Rübenkampanie schon voll im Gange. Hier fehlt nur noch das typische Verladegerüst für die Anhänger, aber das wird gerade entwickelt.

  Bahnsteig in Jagsthausen

V 22-03 mit M-D 402 und Gepäckwagen am Personengleis von Jagsthausen. Die Reisenden wollen nach Dörzbach.

  Ausfahrt in Richtung Möckmühl

VT 300 als Schlepptriebwagen, er nimmt keine Reisenden mit.

  Ausfahrt in Richtung Möckmühl

V 22-02 und 01 verlassen den Bahnhof Jagsthausen mit einem Güterzug in Richtung Möckmühl.

  Lok Bielefeld zwischen Jagsthausen und Berlichingen

Museumsbetrieb: Lok Bielefeld mit M-D 1 und 2 zwischen Jagsthausen und Berlichingen.

  Lok Bielefeld zwischen Jagsthausen und Krautheim

  VT302 in der Ortsdurchfahrt

VT 300 in der Ortsdurchfahrt. Leider ist das nicht die bekannte Ortsdurchfahrt in Berlichingen sondern ein Modul ohne spezielles Vorbild, dennoch eine schöne Ortsdurchfahrt.

Nach Jagsthausen folgt Berlichingen, hiervon haben wir "wie auch beim Vorbild" keine Bilder gemacht. Der Steinbruch in Berlichingen ist im Bau, aber noch nicht einsatzfähig. Altschöntal, Bieringen, Schöntal, Westernhausen, Winzenhofen, Marlach und Gommersdorf existieren noch nicht als 1/87 Modell.

Krautheim

In Krautheim dominiert der neue Landhandel das Erscheinungsbild des Bf.

  Einfahrt in Krautheim

V 22-03 mit M-D 402 und Gepäckwagen stehen am Bahnsteig in Krautheim.

  Güterzug in Krautheim

V 22-02 und 01 fahren mit einem Güterzug in den Bahnhof Krautheim ein.

  Güterzug in Krautheim vor dem Lagerhaus

Das Rangiergeschäft im Bf. Kautheim. Zwei BTs 50, Behältertragwagen mit Efkr-Silobehältern, die mit Kunstdünger beladen sind, werden dem Lagerhaus zugestellt.

  Bts50 in Krautheim vor dem Lagerhaus

Die beiden Bts 50 vor dem gewaltigen Lagerhaus. Das Lagerhaus hat Roland nach den Orginalplänen, Fotografien und eigenen Vermessungen aus Kuststoffplatten exakt 1:87 mit einer CNC Fräse ausfräsen lassen.

  Bts50 in Krautheim vor dem Lagerhaus

Bts 50 in Krautheim vor dem Lagerhaus, von dem noch der Garagenanbau fehlt.

  Das Lagerhaus von der Gleisseite

Als nächstes Projekt soll das Papiermodell des EG mit dem angebauten Güterschuppen, das bei den Freunden der JAgsttalbahn bezogen werden kann, durch ein vorbildgerechtes Kunsstoffmodell ersetzt werden.

  Das Lagerhaus von der Rückseite

Hinter den Gleisen fällt das Gelände rasch ab. Auch diese Böschung wurde exakt vermessen und muß nun noch entsprechend nachgebildet werden.

  Lok 24 als Denkmal in Krautheim

Die Lok 24 als Denkmal in Krautheim. Sie ist nie im aktiven Dienst in diesem Bahnhof gefahren. Krautheim wurde nach einem Brand des alten Lagerhauses 1963 umgebaut. Bis 1966 wurde das neue Lagerhaus errichtet und auch das Gleisbild stark verändert. Die 24 wurde im April 1963 abgestellt und in Krautheim als Denkmal aufgestellt.

  Ausfahrt in Richtung Möckmühl

VT 300 beim Rangieren im Bf. Krautheim.

  VT300 mit Güterzug zwischen Krautheim und Dözbach

VT 300 mit Güterzug, gebildet aus leeren, aufgebockten Regelspurwagen in Richtung Dözbach.

Dörzbach

Nach Krautheim sollte eigentlich Klepsau folgen, aber der ist noch nicht als Modul gebaut, so dass es gleich in den Endbahnhof Dörzbach geht.

  Einfahrt in Dörzbach

V 22-03 mit M-D 402 bei der Einfahrt in Dörzbach.

  Der Bahnhof Dörzbach

Das Modell im Vorbildschuppen, kommt auch nicht oft vor....

  typische SWEG Fahrzeuge in Dörzbach

Typische SWEG Fahrzeuge in Dörzbach: M-D 402, VT 303 am Personengleis, die Bremsballastwagen M-D 160, 88, 159 und die Rollböcke 150 und 153 auf dem Umfahrgleis sowie die Lok Nicki-S auf dem Abstellgleis.

  typische SWEG Fahrzeuge in Dörzbach

Diese Szene hätte man bei Vorbild bis 1986 live erleben können, auch danach waren in Dözbach ein Teil der hier zu sehenden Fahrzeuge abgestellt.

  Rübenverladung in Dörzbach

Auch in Dörzbach dominiert der Rübenverkehr. Mit dem Förderband werden sie direkt in die O-Wagen geladen.

  Das Ende der Jagsttalbahn

Das Streckenende der Jagsttalbahn, noch fehlen einige Gebäude, die Tankstelle, die Bushalle und die kleine Werkstatt.

Die FdJ-ler (Freunde der Jagsttalbahn)

  Die FdJ-ler v.l.n.r. oben: Andreas R. Franziskus M., Martin S., Roland F. und Klaus H., unten: Dieter R., Alexander O., Michael D. und Alexander L.

Fazit

Besucher und Jagsttalbahner waren sehr angetan von der Modelljagsttalbahn, so dass wir wohl nicht das letzte Mal im Jagsttal waren. Allerdings wird der Lokschuppen wohl zu klein, wenn die weiteren zurzeit gebauten Betriebsstellen, wie der Bahnhof Bieringen oder der Steinbruch Berlichingen dazu kommen. Vorerst hoffen und wünschen wir aber, dass es auch beim Wiederaufbau der originalen Jagsttalbahn mit großen Schritten weiter geht! Informationen hierzu gibt es auf der homepage der Jagsttalbahnfreunde, www.jagsttalbahn.de.